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Zwei Gründe zum Verzweifeln?
Kein notwendiges Übel: Unvollkommenes Design und unverständliche Bedienungsanleitungen bei technischen Geräten

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben soeben die neueste technische Errungenschaft erworben, sind begierig, sie sofort in Betrieb zu nehmen, packen aus, wollen anschließen - und finden in der beiliegenden Bedienungsanweisung einen Text, der etwa so beginnt:
"Lesen Sie diese Anleitung sorgfältig durch und vergewissern Sie Sie die Hinweise verstehen, bevor Sie mit der Installation und In des CD-ROM-Laufwerks beginnen..."

Schon nach dem ersten Satz wird deutlich, dass hier schlechte Übersetzer am Werk waren. Doch nicht nur das! Häufig klingen die Bedienungsanleitungen, die der Benutzer eines elektronischen Geräts oder einer Computersoftware erhält, endlos kompliziert und verwirren ihn mehr, als dass sie ihm eine wirkliche Hilfestellung bedeuten. Stillschweigend geht er dann davon aus, dass der Fehler bei ihm persönlich liegt. Warum hat er das, was in der Gebrauchsanleitung steht, nicht verstanden oder sofort nach dem Lesen wieder vergessen?

Beispiele für unverständliche Anleitungen oder Benutzerhandbücher sind heute leider immer noch weit verbreitet. Egal, ob sie nun der Telefonanlage, dem Videorecorder oder dem Backofen beiliegen. Geräte, die uns eigentlich das Alltagsleben erleichtern sollten und mit denen wir uns nicht endlose Stunden herumärgern wollen, bis wir sie zum Laufen gebracht haben.

Alljährlich entstehen bundesweit Schäden von knapp einer Milliarde Mark, weil Verbraucher beim Studium von mangelhaften Bedienungsanleitungen die Nerven verlieren und schließlich nach dem Prinzip "Trial and Error" verfahren. Die Hälfte aller Schadensfälle ist auf dadurch resultierende Bedienungsfehler zurückzuführen. Bei einer Umfrage gaben 17 Prozent der Befragten an, schon einmal aufgrund einer schlechten oder falschen Anleitung etwas beschädigt zu haben. Man darf davon ausgehen, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.

Angesichts solcher Stilblüten nicht weiter verwunderlich: "Rückengitter des Ventilators auf die Vorderseite des Motorgehäuses durch Niederdrücken der Feder schieben."

Funktionales Design: Erste Voraussetzung für leichte Bedienbarkeit
Komplexe technische Vorgänge, die den meisten der von uns benutzten Geräte zugrunde liegen, zeugen vom hohen Entwicklungsstand der Industrie und dem Know-how von Erfindern und Produktdesignern. Die wahre Qualität eines Produktes lässt sich jedoch nur im individuellen Gebrauch ermitteln.

Je funktionaler das Produktdesign ist, desto weniger bedarf es einer ausführlichen verbalen Erklärung. Ein Knopf zum Drehen sollte anders gestaltet sein als ein Knopf zum Drücken oder Ziehen. Wie die einzelnen Elemente eines Gerätes gehandhabt werden sollen, muss also schon an ihrer formalen Gestaltung erkennbar sein. Würde dieser Grundsatz bereits bei der Entwicklung beachtet, blieben uns zahlreiche irreführende Erläuterungen in Bedienungsanleitungen erspart.

Verständliche Bedienungsanleitungen: Ein selbstverständlicher Service
Doch selbst dort, wo der Hersteller für ein benutzerfreundliches Design seiner Produkte gesorgt hat, bleiben viele Konsumenten als technische Laien auf klar formulierte Anweisungen für den Gebrauch ihrer Geräte angewiesen. Der Gesetzgeber trägt dieser Tatsache Rechnung, indem er Bedienungsanleitungen als wichtige technische Dokumente einordnet, die einer Vielzahl von rechtlichen Vorschriften zu genügen haben. In Deutschland ist nach DIN EN 292 ausdrücklich festgeschrieben, dass Anweisungen und technische Sicherheit aufeinander abgestimmt sein müssen. Aussagekräftige Bedienungsanleitungen gelten also hierzulande als Rechtsgebot. Wer hätte das gedacht? Und auch die EU hat längst entsprechende Richtlinien verabschiedet. So vergibt sie unter anderem ein eigenes Qualitätszeichen für zertifizierte Bedienungsanweisungen und technische Dokumentationen.

Ein Hersteller von technischen Geräten sollte sich aber nicht nur wegen der geltenden Rechtsvorschriften verpflichtet fühlen, seine Kunden mit klaren Informationen zum Gebrauch seiner Produkte zu versorgen. Verständlich formulierte Bedienungsanleitungen zählen heute zu den selbstverständlichen Serviceleistungen eines Unternehmens. Sie sind Schritt für Schritt nach didaktischen Prinzipien aufgebaut und auch für technisch unbedarfte Personen nachvollziehbar. Sie bedienen sich einer einfachen Sprache und benutzen technische Fachausdrücke nur da, wo es unbedingt notwendig ist. Sollten solche Begriffe doch einmal auftauchen, werden sie selbstredend erklärt. Für Übertragungen aus Fremdsprachen werden nur Fachübersetzer eingesetzt, die mit der Materie vertraut sind und über perfekte Deutschkenntnisse verfügen.

Würden einige Prinzipien beim Abfassen von Bedienungsanleitungen beherzigt, blieben uns nicht nur Ärger, sondern auch Zeit und Kosten erspart. - Denn das Lachen ist uns angesichts solcher Verballhornungen wie der folgenden längst vergangen. Unseren Humor möchten wir uns gerne für angenehmere Dinge des Lebens aufsparen. Oder wie ist diese Anweisung zum Fußtritt zu verstehen? "Treten Sie die Nummer ein und lassen Sie sie eingelagert."

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